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Die hohe Kunst, mit Pubertierenden im Gespräch zu bleibenWenn Kinder erwachsen werden, ist das Wichtigste, mit ihnen im Gespräch zu bleiben. So zumindest die Experten. Deshalb fangen wir schon, kaum dass unser Kind Zeit hatte, seine Jacke aufzuhängen mit dem Fragenkatalog an, um auch wirklich keine Gelegenheit zum Gespräch zu versäumen: „Na, wie war die Schule?“ Die Antwort kommt - wie eigentlich an allen anderen Tagen zuvor auch - erschreckend einsilbig: „Gut“. Okay, denn so schnell geben wir als Eltern, die mit ihren heranwachsenden Kindern im Gespräch bleiben möchten, natürlich nicht auf. Nächster Versuch: „Ist nichts Besonderes passiert?“ Kaum zu glauben, trotz der Mühe, die wir uns geben, fällt die Antwort auf unsere zweite Frage eher noch kürzer als die zuvor aus: „Nö“. Klar, dass wir als verantwortungsbewusste und mit allen einschlägigen Ratgebern vertraute Eltern jetzt erst richtig in Fahrt kommen: „Gar nichts? War der Unterricht heute etwa genauso wie der Unterricht gestern?“ Eigentlich wissen wir, dass wir diesmal eine längere Antwort bekommen, entweder weil das “Ja-aaa!“ mittlerweile wirklich übellaunig bis in die Unendlichkeit gezogen wird, oder weil daran anschließend noch ein: „Oh man, Du nervst!“ folgt, unterstrichen vom dramatischen Abgang, oftmals vom lauten Knallen der Kinderzimmertür akzentuiert. Kein Wunder also, dass wir den Experten-Rat „Auf-jeden-Fall-miteinander-im-Gespräch-bleiben“ als äußerst anstrengend empfinden. Doch unsere Kinder nicht weniger. Denn während wir uns regelmäßige Auszeiten nehmen, vor allem dann, wenn wir gerade nicht in Gesprächslaune sind, gestehen wir genau das unseren heranwachsenden Kindern nicht zu. Mach dies, mach das und jenes lass Für Heranwachsende ist die Pubertät eine Zeit voller Veränderung, voller Selbstzweifel und vor allem voller Ängste. Gerne würden sie einfach Kind bleiben und sich in die tröstenden Arme von Mama oder Papa kuscheln, was sich aber schon deshalb verbietet, weil man ja eben kein Kind mehr ist. Und dennoch behandeln wir sie oftmals vor und nach der Schule genau so. Wir bombardieren sie mit Fragen, auf die wir natürlich keine zufrieden stellenden Antworten bekommen, mit Vorwürfen, weil wir die einsilbigen Erwiderungen nicht mehr hören können, mit Mutmaßungen, dass ihre Laune mal wieder äußerst schlecht ist, mit Aufgaben, weil wir uns nicht anders zu helfen wissen und mit Regeln, damit hoffentlich ganz schnell alles wieder so friedlich und schön ist, wie es früher einmal war. Kein Wunder, dass für viele Teenies die Schule weniger anstrengend ist als das Nachhause-Kommen und der damit beginnende Spießrutenlauf. Teenies wollen oftmals wirklich nicht mehr, als einfach nur einmal in Ruhe gelassen zu werden. Reden ist nicht gleich reden Während sich viele Eltern verständlicherweise ausgeschlossen fühlen, wenn ihr Kind plötzlich nicht mehr mit ihnen redet, ist das ein ganz natürlicher Prozess. Denn mit Eintritt in die Pubertät, werden die Freunde nicht nur immer wichtiger, sondern auch zunehmend zur Vertrauensperson. Und zwar deshalb, weil sie sich alle in der gleichen Situation befinden. Hier gibt es niemanden, der sagt: „Zu meiner Zeit war das alles ganz anders!“, höchstens jemanden, der sagt: „Das kenne ich, meine Eltern sind genauso!“ Niemanden, der wie bei einer Polizei-Vernehmung mit Fragen nervt, auf die sich die Antworten in den letzten 24 Stunden nicht geändert haben. Niemanden, der ständig und permanent reden möchte. Niemanden, der unaufgefordert Ratschläge erteilt, alles besser weiß, es aber doch nur gut meint. Auch wenn unsere Kinder uns mit ihren monotonen und einsilbigen Antworten in den Wahnsinn treiben, heißt das nicht, dass sie nicht reden möchten. Sie möchten es nur gerade in dem Moment nicht. Einfach, weil es in ihren Augen nichts zu reden gibt – zumindest nichts, was sie uns besprechen möchten. Denn Fakt ist: Würden sie etwas mit uns besprechen wollen, dann würden sie das auch tun. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold Kinder jeden Alters leben vom Urvertrauen zu ihren Eltern. Und genau dieses Vertrauen ist das, was sie jetzt am meisten brauchen. Denn zu sich selbst haben Pubertierende alles, nur genau Vertrauen nicht. Und das bedeutet gleichzeitig, dass Ihr Kind erst lernen muss, sich Ihnen anzuvertrauen, zu erkennen, dass es Ihnen auch in dieser schwierigen Phase noch vertrauen kann. Dafür müssen Sie gleichermaßen loslassen und Halt geben können. Ja, suchen Sie auch weiterhin das Gespräch, aber beenden Sie Ihren Versuch, wenn Sie merken, dass Ihr Kind nicht reden möchte. Vor allem: Verzichten Sie darauf, es deshalb mit seiner angeblich schlechten Laune aufzuziehen, über sein Verhalten zu sticheln, es mit Vorwürfen oder mit Aufgaben zu bestrafen und zu belasten. Manchmal hilft es auch, die Fragen, die Sie beantwortet haben möchten, so umzuformulieren, dass Ihr Kind erst gar nicht die Chance hat, einsilbig mit „Ja“, „Nein“ oder Ähnlichem zu antworten, sondern mindestens in einem vollständigen Satz antworten muss. Dieser kleine Trick sollte aber nur dann angewendet werden, wenn Sie ein wirkliches Gespräch suchen und nicht einfach nur wissen möchten, wie es in der Schule war. Denn auf diese Frage antworten wahrscheinlich 98% aller Pubertierenden mit einem emotionslosen „gut“. Zuhören: Ja, Ratschläge erteilen: Nein Hinter der hohen Kunst, mit seinem pubertierenden Kind im Gespräch zu bleiben, gehört jedoch weitaus mehr als ein gesundes Maß zwischen Kommunikationsversuch und Kommunikationsverzicht zu finden. Vielmehr müssen sich Eltern als vertrauenswürdige, zuverlässige und faire Gesprächspartner erweisen. Und dazu gehört:
Deshalb: Seien Sie ein besserer Zuhörer als ein versierter Erzähler oder repertoirereicher Fragenkatalog! Dann klappt es auch in der Pubertät noch mit der Kommunikation!
21.10.2009, 22:47 von Redaktion |
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