Tortur oder Notbremse? Schlafprogramme sind umstritten! An der Ferber-Methode scheiden sich die Geister. Eltern, Hebammen und Kinderärzte sind in zwei Lager gespalten. Die einen betonen den schnellen Erfolg des Verfahrens, die anderen vergleichen es mit Kindesmisshandlung. Die Wahrheit liegt wie bei allen Zwistigkeiten vermutlich in der Mitte.
Basiswissen:
Der amerikanische Kinderarzt Prof. Ferber vertritt die Meinung, dass jedes Kind schlafen lernen kann. Nach seinen Forschungen sind viele Einschlaf- und Durchschlafschwierigkeiten von Kleinkindern quasi „anerzogen“. Oft tragen gewisse Zugeständnisse der Eltern dazu bei. Der Ideenreichtum ist recht groß, wenn es darum geht, das liebe Kind endlich schlafend zu wissen. Die Palette reicht vom einfachen Wiegen bis zum Hüpfen auf dem Gummiball. Nicht selten wird der Nachwuchs ins Auto gepackt, damit schließlich Ruhe einzieht.
Solche Aktionen fordern viel Energie, irritieren das Familienleben und bringen nur kurzzeitig den ersehnten Schlaf. Niemand möchte über Monate hinweg derartige Szenarien veranstalten. Ferber nutzt für sein Schlaftraining Erkenntnisse aus der psychologischen Verhaltenstherapie. Mit dem Ablegen bestimmter Eigenarten und dem gleichzeitigen Erlernen anderer Regeln verspricht er Eltern neue Lebensqualität.
Praktische Tipps:
Ferbern als letzte Wendemöglichkeit in der Sackgasse? Die Methode ist kein Sonntagausflug, sondern eine kräftezehrende Bergtour. Sie sollte nur eingesetzt werden, um den familiären Super-Gau zu verhindern.
Zur Marschausrüstung gehören Konsequenz und Einigkeit beider Elternteile, stabile Verhältnisse sowie ein gesundes Kind. Sobald sie aber wankelmütig sind oder eine Ausnahme machen, bleibt der Erfolg aus und allgemeine Verwirrung setzt ein.
In der Vorbereitungsphase hat sich das Führen eines Schlaftagebuches bewährt. Die exakten Aufzeichnungen illustrieren bestens Mittags- und Nachtschlaf, Schlafdauer, -gewohnheiten und –probleme.
Ferbern- gewusst wie!
Simpel und ohne großen Aufwand. Jeden Abend wird das Kleinkind mit dem gleichen Ritual ins Bett gebracht und der Verlauf nicht ausgedehnt. Die Zeremonie findet immer zur gleichen Zeit statt, Ablauf und Zeitdauer sind Tag für Tag identisch. Der Abschluss ist eindeutig erkennbar. Viele Eltern kuscheln ein letztes Mal, geben den Gute-Nacht-Kuss oder streicheln über den Kopf. Auch die Spieluhr kann das Ritual abrunden.
Danach geht Mama oder Papa ohne Kommentar aus dem Zimmer. Mit Sicherheit folgt Protest, Tränen oder Geschrei. Jetzt setzt die Konsequenz der Eltern ein. Drei Minuten müssen alle durchhalten!
Danach kann Mann/ Frau wieder das Kinderzimmer betreten und für zwei Minuten den Nachwuchs beruhigen. Leise Worte, zärtliches Streicheln vermitteln dem Kind Nähe und lindern den Herzschmerz. Bitte keine Belohnung, wie Milch, Tee oder Herausnehmen!
Dann verlassen die Eltern erneut den Raum, dehnen die „Auszeit“ auf fünf Minuten aus. Garantiert sticht das Mutterherz vor Gewissenbissen, wenn der Sprössling rebelliert und klagt. Standhaft bleiben!
Anschließend darf getröstet werden. Schließlich soll sich das Kind nicht vernachlässigt fühlen.
Von Mal zu Mal wird die „Auszeit“ erweitert; zehn Minuten sind das Höchstmaß. Jedoch empfiehlt es sich, auf das eigene Gefühl zu hören. Jede Mutter kennt ihr Kind am besten; sie weiß, wann das Maximum erreicht ist. Unterstützend wirkt ein persönlicher, auf die Familie zugeschnittener Zeitplan. Maßgebend sind einzig und allein die Entschlossenheit und das beharrliche Vorgehen während des Schlafprogramms.
Experten konnten nachweisen, dass sich die Hartnäckigkeit meist innerhalb weniger Tage auszahlt.
23.10.2009, 00:10 von
Redaktion |
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