Der Düsseldorfer Professor Matthias Franz verschafft Alleinerziehenden eine Lobby. Denn diese Mütter und ihre Kinder sind besonderen Belastungen ausgesetzt. Alleinerziehen und Arbeiten schließen sich in vielen Fällen aus. Das Geld ist knapp, die Wohnung klein und ein Partner, der die Sorgen teilt, fehlt auch noch. Kommt noch der Rosenkrieg um Haus, Unterhalt oder Sorge- und Umgangsrecht hinzu, führen die Frauen ein Leben am Limit. Dabei bräuchten sie selbst Zuwendung und Stabilisation. Oft liegen die Nerven blank, so manche Kleinigkeit bringt die Mini-Familie auf die „Palme“.
PALME – Präventives Elterntraining für alleinerziehende Mütter
Treffender konnte der Name des Präventionsprogramms kaum ausfallen. In Auswertung einer wissenschaftlichen Studie entwickelte der Prof. Franz eine Schulung für Mutter und Kind. Sie konzentriert sich auf:
- das Aufrichten und Stärken des Selbstvertrauens der Frauen
- eine gefestigte und belebte Beziehung zum Kind
- das Festigen der Wahrnehmung („Was braucht mein Kind?“)
- ein verbessertes Einfühlungsvermögen in das Kind und seine Welt
- den Blick auf die eigene Handlungen schärfen (z.B. im Affekt)
- das unbewusste Überfordern des Kindes (z.B. wenn Jungen Teile der Vaterrolle übernehmen)
- das Aneignen vom Verantwortung, Autorität und Kompetenz
Die Summe dieser Bausteine holt alleinerziehende Mütter aus der Spirale von Überforderung, Hilflosigkeit und Schuldgefühlen.
PALME arbeitet in vier Schritten:
- Zuerst widmen sich die TrainerInnen der Mutter; sie stehen ihr unterstützend zur Seite. Sie soll sich ja selbst wahrnehmen, um ihre Rolle definieren zu können. Was belastet sie? Wie fühlt sie? Welche Fähigkeiten hat sie, welche Talente schlummern noch?
- Danach wird über das Kind gesprochen. Wie nimmt die
alleinerziehende Mutter es wahr? Was sieht und beobachtet sie? Die Sachkenntnis der BegleiterInnen lenkt den Blick auf die kindlichen Bedürfnisse, den Wunsch nach Liebe, Anerkennung und Geborgenheit.
- Im dritten Schritt betrachten Mutter und ExpertInnen die momentane Lage der Mini-Familie. Herrschen noch Konflikte; wenn ja, welche? Wie ist der Umgang mit dem Ex-Partner/ Kindesvater?
- Erst wenn diese Aspekte klar sind, wird nach Strategien für die Zukunft gesucht. Wie lassen sich Streit, Aggressionen und Spannungen in der kommenden Zeit aushalten, meistern und verkraften?
PALME konkret
Die jeweiligen Treffen (Gruppensitzungen) des PALME-Programms lenken eine Frau und ein Mann. Sie üben Berufe im sozialen Bereich aus, z.B. als ErzieherIn, SozialarbeiterIn oder MedizinerIn, und werden in spezielle Schulungen ausgebildet.
PALME- Kurse umfassen 20 Einheiten, die Kosten dafür trägt die jeweilige Krankenkasse. Maximal können 12 Frauen pro Lehrgang teilnehmen.
Prof. Matthias Franz bestätigt in seiner Erhebung, dass PALME die Häufigkeit von Depressionen, Angstzuständen und Stress senkt. Befragte Mütter gaben nach zwölf Monaten ein angenehmeres Familienklima sowie ein verstärktes eigenes inneres und äußeres Wohlbefinden an. Und wenn die Mama gute Laune hat, geht es dem Kind langfristig besser. Nach einem Jahr waren verringerte Verhaltensauffälligkeiten und gesteigerte Lernerfolge zu beobachten.
PALME wird von Bundesfamilienministerium unterstützt, in Mehrgenerationenhäusern angeboten und von Jugendämtern vermittelt. Ausführliche Auskünfte erteilt die Webseite:
http://www.palme-elterntraining.de
13.10.2009, 02:44 von
Redaktion |
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